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JÜRGEN BARTSCH
 


Karl-Heinz Sadrozinski wurde 1946 als nichteheliches Kind in Essen geboren. Seine leibliche Mutter verstarb kurz nach seiner Geburt an Tuberkulose. Die ersten Monate seines Lebens verbrachte er in den Händen von Krankenschwestern, bis er mit elf Monaten von der kinderlosen Fleischerfrau Bartsch und ihrem Ehemann adoptiert wurde. Die Fleischerfrau Bartsch hatte das Kind in der Klinik gesehen und sich in den herzigen Jungen verliebt. Ihre Ehe war kinderlos geblieben. Sie adoptierte den Säugling. Von nun an hieß er Jürgen Bartsch.

Bartschs Adoptivmutter war eine neurotische Sauberkeitsfanatikerin. Er durfte sich als Kind nicht dreckig machen, nicht mit anderen spielen und wurde später noch als 19jähriger von seiner Adoptivmutter in der Badewanne gewaschen. Bartsch dazu: "Sie wollte lieber eine Puppe haben." Der Vater verachtete und schikanierte seinen Ziehsohn. Im Gefängnis klagte Bartsch später: "Das Fehlen des wirklichen Geborgenseins hat mir immer sehr weh getan." Jürgen Bartsch war isoliert und fand auch in der Schule keine Freunde. Er blieb ein gehänselter Außenseiter.

Mit 10 Jahren kam er in ein Heim. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wohl, doch seine Eltern waren jedoch der Ansicht, dort ginge es zu leger zu. Sie steckten ihn daraufhin in ein katholisches Internat. Hier herrschten Zucht und Ordnung. Besonders streng ahndete man homosexuelle Kontakte unter den Zöglingen. Bartsch, der mit 8 Jahren sein erstes homosexuelles Erlebnis hatte, musste nun mit der von ihm selbst als abartig empfundenen Sexualität fertig werden, was ihm nie gelang.

Am 8. Mai 1966 ging Bartsch auf eine Kirmes nach Essen-Schonnebeck. Dort sprach er den 11jährigen Manfred Graßmann an. Unter dem Vorwand, einen Schatz zu suchen, lockt er ihn in einen alten Luftschutzbunker. Dort angekommen, zwang er ihn sich auszuziehen. Bartsch nahm sexuelle Handlungen an seinem Opfer vor und erschlug ihn danach. Später nahm er ein Schlachtermesser und zerstückelt die Leiche.

Am Sonnabend, dem 18. Juni 1966, streifte Bartsch auf der Suche nach einem neuen Opfer durch Wuppertal-Elbersfeld. Er fand es in Peter Freese. Bartsch brachte ihn in den Luftschutzbunker, wo er ihn mit Schlägen und Fußtritten dazu zwang, sich zu entkleiden. Er fesselte Freese und kündigte ihm an, er werde ihn töten. Danach verließ er den Bunker. Freese konnte sich von den Fesseln befreien und entkam.

Eine Sonderkommission der Mordkommission Essen untersuchte daraufhin den Bunker. In dem alten Luftschutzbunker fand man die Überreste von 4 Kinderleichen. Es waren der 12jährige Ulrich Kahlweiß, der 13jährige Rudolf Fuchs, der 8jährige Klaus Jung und der 11jährige Manfred Graßmann. Die Suche nach dem Mörder begann. Bartsch konnte durch Hinweise aus der Bevölkerung verhaftet werden.

Er wurde am 15.12.1967 in erster Instanz vom Landgericht Wuppertal zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. Gerichtliche Gutachten hatten ihn für zurechnungsfähig erklärt. Nachdem zunehmend öffentliche Kritik am Verfahren laut geworden war, wurde das Urteil vom Bundesgerichtshof als Revisionsinstanz aufgehoben. Vom Landgericht Düsseldorf wurde das Urteil gegen ihn in 10 Jahre Jugendstrafe umgewandelt und eine Unterbringung in eine Heil.- oder Pflegeanstalt angeordnet.

Jürgen Bartsch beantragte eine Kastration und starb 1976 auf dem Operationstisch im Landeskrankenhaus Eikelborn an den Folgen eines Narkosezwischenfalls.


 

Jürgen Bartsch