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INTERVIEW METRONAUT
 


Serienkiller.de - Schauriges und interessantes aus der Welt der Mörder

Eine Seite der etwas anderen Art dürfte wohl die schaurige wie auch (makabererweise?) sehr interessante Seite serienkiller.de sein.
Gut recherchiert und sehr umfangreich, wird einem ein Sammelsurium von zumeist zeitgenössischen Massen- und Serienmördern auf der übersichtlichen Seite präsentiert, von der man, einmal angefangen, so schnell gar nicht mehr weg kommt.
Interessenten oder gar Sympathisanten (!?!) sei aber sofort vorausgesagt, daß sich die Seite in keinster Weise dazu herablässt, Taten oder auch Mörder Sensationsheischenden Lesern schmackhaft zu machen. Die Seite enthält ganz einfach eine Bestandsaufnahme der aus mehreren Jahrhunderten stammenden verwirrten und kranken Seelen; Verharmlosung oder Gewaltverherrlichung findet sich hier nicht. Nüchtern, aber trotzdem informativ, werden einem Hintergründe und, wo möglich, auch Ursachen genannt. Die Seite beflügelt somit ausschließlich, wenn überhaupt, die Phantasie der Hobby-Psychologen unter uns, denen die Seite sicherlich ein paar ganz aufschlussreiche Einblicke gewähren kann.
Um den erklärenden Charakter dieser Seite, die im übrigen den Opfern gewidmet ist, zu verstärken, gibt der Autor der Seite eine recht präzise Definition zum Unterschied zwischen Massen- und Serienmördern an, der man entnehmen kann, daß doch tatsächlich eine Unterscheidung zwischen diesen Begriffen erst in den 80er Jahren durch das FBI stattgefunden hat, das die so genannten "Mehrfachmörder" in zwei Kategorien teilte.
Neben den Suchfunktionen der Mörder von A – Z kann man ebenso ein höchst interessantes Interview mit dem Profiler John Douglas über den Beruf eines Verhaltensprofilers beim FBI lesen. Jenseits aller Akte X – Klischees berichtet er im typisch amerikanischen Plauderton über sein Leben und seine Arbeit, über Ängste und hohe IQ’s, sowie über die Interviews, die er mit den unzähligen Mördern geführt hat. Im Übrigen diente er als Modell des Special Agent Jack Crawford im "Schweigen der Lämmer"; 1982 hatte er jedoch genug von seinem Beruf und ging in den Ruhestand.
Insgesamt wird einem hier also eine mehr als ordentlich recherchierte Seite geboten, die auch stets offen ist für Anmerkungen und Ergänzungen ist. Zahlreiche Film– und Buchlinks und ein Buchshop, in dem die Bände direkt zu bestellen sind, runden die ganze Sache noch ab. Eins sei jedoch angemerkt, die längere Studie der hier dargestellten Fälle, kann auf Dauer wirklich erschreckend sein und ist jüngeren Usern nicht zu empfehlen, eher kaltblütigen Mitmenschen beschert sie aber möglicherweise ein paar recht interessante Einblicke.
Fabienne Fontaine

Interview

F.F: Guten Tag Herr Braun, sie sind Autor der Seite serienkiller.de im Internet. Seit wann gibt es die Seite und wie sind sie auf die Idee zu dieser Seite gekommen?

K.B.: Die Seite ist seit Mai 96 online. Ich habe schon seit frühester Kindheit immer alles über Verbrechen gesammelt, das hat mich sehr fasziniert und vielleicht auch dadurch, dass mein Vater bei der Polizei war. Ich habe angefangen kleine Zeitungsartikel zu sammeln, bin in Buchhandlungen gegangen und habe nachgefragt über Serienmorde. Das war eigentlich immer sehr peinlich, die Verkäuferinnen waren immer sehr berührt und es gab da eigentlich auch kaum Literatur.
F.F.: Die Seite ist den Opfern gewidmet, wie sind sie denn auf die Idee gekommen?
K.B.: Ich habe Jura studiert. Ich habe eine Abneigung dagegen, dass immer sehr viel entschuldigt wird. Es wird immer gesagt, es war eine dramatische Kindheit und es sind Kinder der Gesellschaft etc. Als Schwerpunkt hatte ich im Studium Kriminologie und da werden auch immer viele Entschuldigungsversuche gesucht, oder besser gesagt vertreten, und dagegen hatte ich immer eine Abneigung.
F.F.: Wie recherchieren sie, vor allem was die Definitionen angeht, welche Quellen benutzen sie? Hat ihr Studium da als Quelle gedient?
K.B.: Das Studium hat mir dahingehend eigentlich kaum weitergeholfen, es gibt verschiedene Fachliteratur dazu, die meiste ist englischsprachig. Wir haben zwar eine große Universitätsbibliothek aber da gibt es kaum was, ich kaufe mir die Bücher meistens. Dadurch habe ich auch sehr gut Englisch gelernt.
F.F.: Keine Verharmlosung, keine Gewaltverherrlichung, das sind die Ansprüche ihrer Seite, doch was der Leser damit macht, können sie nicht direkt beeinflussen, besteht da nicht möglicherweise eine Gefahr?
K.B.: Wie meinen sie das?
F.F.: Zum Beispiel die Gefahr von Nachahmungstaten, was zum Beispiel in Amerika immer wieder ein Problem ist .Sehen sie da keine Gefahr von ihrer Seite her?
K.B.: Das glaube ich weniger. Wer sich von Rambo inspiriert fühlt, jemanden umzubringen, dessen Leben ist vorher eigentlich schon verkorkst gewesen. Ich glaube nicht, dass Rambo der Auslöser war oder es meine Seite sein könnte, das kann ich mir kaum vorstellen.
F.F.: Was glauben sie denn, macht der Leser mit den Informationen ihrer Seite?
K.B.: In Deutschland ist dieser ganze True-Crimes-Sektor ja nicht so populär. In Amerika gibt es in einem Buchshop eine eigenen Sektion mit wirklich nur True-Crime-Literatur. Und was jetzt der Leser macht, tja, ich denke da ist sehr viel Interesse dran, ich schreibe ja weniger aus der psychologischen Sicht, sondern mehr aus der geschichtlichen Sicht, eigentlich die bloße Tatabfolge, und ich denke auch ohne Wertung. Es ist Interesse, Mord ist ja auch so ein Faszinosum, ein Interesse an dem Abartigen.
F.F.: Wie können sie sich denn diesen bizarren Reiz erklären, der ja im Moment in Literatur, Kino...etc verbraten wird und von dem ja letztendlich auch ihre Seite profitiert?
K.B.: Das weiß ich ja nicht. Vielleicht ... wenn man so etwas sieht muß man eigentlich Abscheu empfinden gegenüber dem Täter, aber in jedem steckt ja vielleicht auch so ein kleiner Mörder. Man hatte ja schon öfter mal gewollt jemanden umzubringen, den Nachbar, Verwandte...
F.F.: ..das ist aber eine gewagte These...
K.B.: ...Ja, nein (lacht) ich bin auch etwas unvorbereitet auf die Frage. Ich denke nur, dass die Abscheu, dass die einen reizt. Die Abscheu vor solchen Leuten, dass man so quasi seine Hassfigur gefunden hat oder hoffentlich findet.
F.F.: In ihrem Gästebuch kann man Kommentare hinterlassen, wie schaut denn das Feedback auf die Seite im Allgemeinen aus, negativ und positiv?
K.B.: Negatives eigentlich kaum, aber ich habe schon mal negative Mails bekommen. Was heißt eigentlich negativ, mir hat mal jemand geschrieben, der wohl mal in der Psychiatrie saß und Katzen umgebracht hat und meine Seite eigentlich auch ganz toll fand... Und sonst... ich hatte mal, ich weiß nicht wie man das nennen soll, so einen Hardcore-Christen, der meinte ich solle doch besser wie Jesus schreiben, also über Mord.
F.F.: ...das sind ja ziemliche Extreme...
K.B.: ...ansonsten, negatives Feedback war eigentlich kaum vorhanden. Eher gibt es mal Anfragen von Opferbildern.
F.F.: Wie interessant. Wie viel Zeit investieren sie in ihre Seite?
K.B.: Früher mehr, heute gar nicht... also ganz wenig. Ich versuche monatlich immer mal einen neuen Fall zu erstellen, aber das ist auch meistens sehr viel Arbeit. Ich habe auch ganze Wunschlisten von Leuten, über die einige mal etwas lesen wollten. Es gab jetzt diesen Shipman, der englische Arzt, da hatte ich heute eine Mail bekommen, dass einer mal darüber was lesen wollte.
F.F.: Hatten sie schon einmal persönlichen Kontakt zu Ermittlern, der Polizei oder sogar Tätern?
K.B.: Zu Tätern indirekt ja. Eine Mutter hatte mich mal angeschrieben, ihr Sohn war relativ neuer Serienmörder, das war letzten Sommer. Sie suchte aber eher psychologischen Rat und dann habe ich sie auch dahin weiter verwiesen. Wenn ich Urlaub mache und irgendwo in der Nähe bin von... Ich war z.B. in Amerika, da war ich in Milwaukee und in Chicago. Dort habe ich das Haus von einem Serienmörder besucht, aber da war nichts mehr, das Haus war abgerissen worden. Und dann war ich in der Walachei, so 200 km von Kanada entfernt und habe ich mir den Ort angeguckt, wo Ed Gein gewohnt hat, das Vorbild für den Mörder im Film “Das Schweigen der Lämmer“, da habe ich mir mal den Ort angeschaut und den Friedhof. Da ist mittlerweile sogar der Grabstein geklaut worden.
F.F.: Eine letzte Frage hätte ich da noch: Können sie Nachts noch ruhig schlafen?
K.B.: Ja, kein Problem.
F.F.: Ich danke ihnen für das Gespräch.

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